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Historische Berichte aus der und über die Region Vogelsberg
Der eine war im Vogelsberg und fand ihn nicht, der andere musste sich einen einheimischen Führer nehmen, um sich in ihm zurecht zu finden, ein dritter behauptete, die Häuser dort oben seien alle mit Brettern zugenagelt und ein vierter schwärmte von den jungen Vogelsbergerinnen und ihrem stattlichen Busenwerk. Es ist viel geschrieben worden über dieses Mittelgebirge - von innen und von außen: Berichte, die kurios erscheinen, Wetterberichte über einen zu heißen Sommer und andere über einen zu kalten Winter, Abhandlungen mit ernsten Aussagen und solche, denen man Sachverstand bescheinigen kann oder auch keinen. Gerade die älteren Mitteilungen regen heute zum Schmunzeln an, doch man kann an ihnen auch erkennen, was im Vogelsberg an typischen Dingen bewahrt wurde und wie sich die Region verändert hat.

Bild: Alte Bräuche in unsere Zeit gerettet.
Wir wollen hier Berichte über den Vogelsberg und seine Bewohner sammeln - alles was uns irgendwie und irgendwo aufgefallen ist - und sie Ihnen zur Verfügung stellen. Sofern wir über passendes Bildmaterial verfügen können, werden wir es anfügen. Sollten Sie allerdings Berichte kennen, auf die wir noch nicht gestoßen sind, so stellen wir Ihnen gerne die eine oder andere Seite zur Veröffentlichung zur Verfügung.
Jedenfalls wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Lesen, vielleicht auch ein paar nachdenkliche Minuten und: Wir beginnen sofort mit dem ersten Bericht, denn Sie wollen ja bestimmt wissen, wo sie den Vogelsberg in der Geographie der Deutschen Mittelgebirge einzuordnen haben, wo er zu finden ist - überhaupt liegt:
"Der Vogelsberg in seiner Abgeschlossenheit ist einem frischen, gesunden Mägdlein vom Dorfe vergleichbar, das den Typus erhalten hat, den ihm seine Heimat gegeben, und neben der stolzen, in Sammt und Seide und allerlei Kostbarkeit prangenden Städterin in ihrer Überfeinerung kann dem unverdorbenen Geschmack auch das treue Auge, die blühende Wange und das naive, neckisch fröhliche Wesen eines Naturkindes gefallen.
Dem Fremden kann es leicht, heute noch wie ehedem begegnen, daß er in dem Vogelsberg herumreiset, ohne ihn zu finden. Wer an den Vorhöhen ankommt und fragt: "Bin ich nun bald im Vogelsberg?" den weist man weiter aufwärts nach den Höhen. Hier angekommen werden wiederum andere südliche oder östliche Punkte genannt, bis man zu den Abhängen gelangt, und bei weiterem Forschen zu nicht geringem Erstaunen hören muß, daß man längst durch den Vogelsberg gekommen sei. - Es sei dem Leser überlassen, sich selbst durch einen Blick auf die Karte über Ausdehnung und Lage unseres Waldgebirges zu unterrichten.
Der Vogelsberg stellt in seiner Gesamterscheinung eine flache, gewölbte, kuppelförmige Bergmasse vor, deren höchste Erhebung in einem ausgedehnten Plateau besteht, welches den Namen 'der Oberwald' führt. Hier treffen wir zahlreiche Buchen-, Ahorn- und Fichtenwaldungen an, die übrigens häufig durch öde Heideflächen oder feuchte Wiesen unterbrochen werden. Der Umkreis dieses Plateaus berührt die Dörfer Rudingshain, Feldkrücken, Rebgeshain, Engelrod, Eichelhain, Ilbeshausen, Grebenhain, Hartmannshain Herchenhain und Breungeshain.
Innerhalb des Oberwaldes oder des 'hohen Vogelsberges' liegen die höchsten Punkte der Gegend und ganz Hessens in einer Erhebung bis zu 3131 Fuß dicht bei einander.
Vier Stunden in die Länge und zwei in die Breite beträgt die Ausdehnung des Oberwaldes.
Von hier aus, gleichsam dem Mittelpunkte eines Sternes, ziehen die Berge der Länge nach nieder ins Thal, und bilden so den 'niederen Vogelsberg'. Anfangs kann man nur wenige Bergrücken und Thäler unterscheiden: Je mehr man sich aber von dem Centralstocke entfernt, desto mehr häufen sich dieselben an, bis sie sich endlich als niedrige Hügel oder Ebenen in der Umgebung verlaufen."
(Text: Auszug von Theodor Bildewalds Beschreibung des Vogelsbergs aus dem Jahr 1865)
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