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Kriege, Krankheiten und Katastrophen erzeugten bei den Menschen Angst und Panik. Es herrschte Endzeitstimmung.

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Dreißig Jahre Krieg
Der tolle Herzog hauste übel ...

Im dreißigjährigen Krieg hatten die Ulrichsteiner Orte schwer zu leiden. Ständige Einquartierungen, Raub, Plünderungen, Mord, Brandschatzung hatten zur Folge, daß die Bevölkerung unwahrscheinlich verarmte, und dennoch wollte die herumziehende Landknechtsmeute immer noch mehr Geld und Gut. Bobenhausen wurde bis auf Pfarrhaus und Kirche vollständig niedergebrannt, in Kölzenhain geschah ähnliches. Wo nichts mehr zu holen war, galt auch ein Leben nichts mehr: Von den ehemals 600 Einwohnern Bobenhausens blieben am Kriegsende nur 200 übrig.

Der "tolle Herzog", gemeint ist Christian von Braunschweig, "hauste so übel, desgleichen es der Türke niemals getan."
Aus dieser Zeit wird berichtet:

Caspar Steuernageln
haben sie gefangen geführet, ihn Schrauben angeleget, ihm die Füsse aufgeschnitten und sonsten jämmerlich gepeinigt, nuhr geldgebens halben.

Casparis Weib
haben sie gebrennet und danach bis auf den todt geschlagen.

Caspar Ruln, Rathsperson, und sein Weib,
haben sie gebrennet, geschlagen und gegurgelt.....

Heinrich Beckers Wittib
haben sie geldtgebenshalben büs uf den todt geschlagen und gar jämmerlich gemartert, ist ein fast 80jährig Weib.

Georg Lang Wittibe,
so fast 70, haben sie ihre hendt geldgebens halbenn übers Feuer in die Lohe gehalten......

Hand Rodern, den elteren,
hat ein Obrist mit einem Auge.......erstlich in eine Cammer gefenglich gesperrt......danach hat er ihm mit einer Büchsenform ein Stück aus der rechten hanndt gerissen und ihn mit einer bloßen Wehr in die linke hanndt entsetzliche schnidt gethan.

Curt Möllers frau
haben sie blou und schwartz geschlagen und übel geflucht. Auch im Curten ins angesicht geschlagen, geldtgebens halben das ihm Maul und Nasen geblutet, auch einen stecken auf ihm entzwei geschlagen das es blou und schwartz gewesen.

Enders Sfaeren
haben sie ein ruhr uff die brust gesetzt und losgedruckt, aber doch nicht abgegangen, Endlich haben sie ihm ein Seil umb den leib gebunden und ihn mit einem Pferd hinweggeschleppt.

  

Das Schwedische Kriegsvolk soll noch schlimmer mit den Vogelsbergern umgegangen sein. Sie hätten den Leuten Jauche eingschüttet und seien dann auf ihrem Leib herumgetrampelt. So sei man im Angesicht des Ulrichsteiner Pfarrers mit einem Amtsbruder aus einem Nachbarort umgegangen und habe gedroht, daß es ihm auch so ergehen werden, wenn er kein Geld herausrücke.

Im Trubel dieser Zeiten hatten die Ulrichsteiner einmal großes Glück. Sie hatten den Peter Schwentz auf Schildwacht geschickt, um Feinde und herumziehende Soldadeska zu melden und abzuwehren. Schwentz stotterte und als er eine Gestalt im Nebel gegenüber sah, rief er laut: "Bäh-bä-bähr doo" und dann noch einmal "Bä-bä-bähr doo....?" Der im Nebel, es war der Torschreiber aus Langwasser, mußte mit Gewalt sein Lachen unterdrücken, denn er wollte den Schwentz nicht grämen oder beleidigen. Der Schwentz aber schoß - daneben - und mit diesem Signalschuß legten alle Ulrichsteiner Wachen los und feuerten was das Zeug hielt und was die Flinten hergaben. Gesehen hatten sie niemand.
Der freudige Schreck kam am nächsten Tag: Ein Köddinger erzählte, er habe unter Zwang Feinde nach Ulrichstein führen müssen, doch Schüsse hatten die so erschreckt, daß sie schleunigst wieder abgezogen seien. - Ulrichstein wurde damals von einem Stotterer vor bösen Übergriffen bewahrt!

Hierzu ist in den Mitteilungen des Kreises Schotten von 1832 zu lesen: "Dazumal mußten die Schläge und Wälle allezeit in einem tüchtigen Zustand gehalten, auch die Wachen an den Thoren ordentlich versehen werden. Es waren fünf Schläge und Thore, welche erst seit 20 Jahren aus Nachlässigkeit, weil bisher Friede gewesen, abgegangen und verschleppt worden, nämlich an der Mühl-Pforte, an der Zimmer-Pforte, an der Struth-Pforte, an der Stumpertenröder-Pforte und an der Grünberger-Pforte. War es nun gefährlich, so wurde auch eine Wacht auf dem Köppel, eine auf die Landwehr und eine auf den Hauenberg gestellt, deren jede einen wisch bei sich aufgestellt hatte, wonach sie die Viehhirten und Ackersleute richten und wenn ein Wisch fiel, mit ihrem Vieh über Kopf und Hals nach Hause in Sicherheit eilen mußten."

  

Der 30jährige Krieg war weder von seinem Zeitablauf her, noch von den Kriegsgegnern her ein zusammenhängender Krieg. So wechselten kriegerisch hektische Zeiten mit kurzen, relativ ruhigeren ab, zogen Heerhaufen in der böhmisch-pfälzischen Auseinandersetzung, der niedersächsisch-dänischen gegeneinander, waren im schwedischen und im französisch-schwedisch-deutschen Krieg tätig. Gegen den katholischen Habsburger Kaiser wandten sich die evangelischen Kurfürsten von der Pfalz, von Brandenburg und Sachsen, der evangelische Herzog von Weimar und andere deutsche Fürsten, die evangelischen Könige von Dänemark und Schweden, indem sie religiöse Motive voranstellten, aber auch politisch territoriale Ansprüche verfolgten. Schließlich neideten der Landgraf von Hessen-Darmstadt und der von Hessen-Kassel einander ihre Erbteile an Hessen-Marburg.

Stehende Heere gab es nicht. Der Krieg wurde mit gedungenen Landsknechtshaufen geführt, die sich ihren Unterhalt - Geld, Proviant, Fourage, Fuhrwerk, Pferde etc. - aus den Gebieten von Bürgern und Bauern selbst beschafften, in denen sich sich gerade aufhielten.

Der Vogelsberg und damit Lauterbach und seine nähere Umgebung lagen weitab der eigentlichen Kriegsschauplätze. Da sie aber Durchgangsland waren, wurde sie dennoch stark in Mitleidenschaft gezogen. Einquartierungen, Contributionen, Erpressungen und Überfälle waren an der Tagesordnung.

Beispielhaft für die Situation Lauterbachs sind die Jahre 1623-27. Fast zwei volle Jahre hatten sich Regimentsteile von Tillys Armee in der Stadt aufgehalten, als am 17. Dezember 1625 Wallenstein'sche Soldaten einrückten und bis zum Juli des nächsten Jahres blieben. Kaum waren sie abgezogen, quartierten sich mit Tillys Einheiten wieder die Gegner ein und blieben bis zum April 1927. Für die Wallensteiner mußte die Stadt 5.500 Gulden aufwenden, an Tillys Truppen wurden für nur 6 Wochen 1.000 Gulden gezahlt; weitere Angaben fehlen.

  

In den Lauterbacher Ratsprotokollen aus jener Zeit und in einigen Pfarrchroniken der umliegenden Dörfer sind immense Belastungen festgehalten aber auch von Greueltaten ist die Rede.

1621
Ende Juni hielt Rittmeister Gunderodt mit 120 Pferden und riesigem Kriegsvolk Nachtlager in der Stadt. Anfang Dezember des gleichen Jahres übernachteten mehr als 1200 Würzburgisches Kriegsvolk.

1622
folgten Truppenteile des Herzogs Christian von Braunschweig, ein Jahr später Tillysche Regimenter.

1625
Wie die Bevölkerung unter den Einquartierungen zu leiden hatte, darüber gibt ein Dokument vom 17. März 1625 Auskunft. Die Stadt Lauterbach beschwerte sich damals - man hatte noch Mut - bei Tilly selbst über das Verhalten seiner Reiter, die in der Stadt einquartiert waren. Dieser Beschwerde waren 31 Zettel mit Aufzeichnungen Lauterbacher Bürger beigefügt.

Bastian Fischbach
mußte den Reiter Semon und seinen Burschen beherbergen. Gleich am ersten Abend, als Semon verköstigt worden war, forderte er zusätzlich 10 Reichstaler. Die gab Fischbach nicht und so jagdte er mich und meine Hausfrau aus dem Hause mit einem bloßen Schwert ... Dann ging er ins Haus und erwügte sieben Hühner... Der Bursche brach in der gleichen Nacht noch einen Schrank auf und stahl 33 Ellen Beuteltuch und über 16 Ellen Wollentuch und sonst noch Ware ...

Johann Schemperlein der älter
war am Abend des 3. März 1625 zu Bett gegangen, doch als er nach 9 Uhr Geschrei gehöret in der Unterstuben, ging er hinunter und sah, daß der einquartierte Reiter Hermes sein Mädchen auf die Bank geleget. ...Hats ihm wollen aus der Bank ziehen, da ließ der Reiter durch seinen Burschen Pistolen holen, hat er sie gespannt und Pulver drauf getan und hat den Hahn aufgezogen ... wenn ich einen Nachbarn wollt rufen, so wollt er mir das Herz durchschießen. Die Nachbarn aber, durch die Schreie des Mädchens aufmerksam geworden, alarmierten schließlich den Leutnant und als der eintraf, lief Hermes hinten aus.

Johannes Hundt und Johannes Birck
waren Quartiergeber des Joan Crabey und dessen Weib. Bircks Weib wurde mehrmals und auch Birck selbst in seiner Werkstatt geschlagen, daß er 14 Tage keinen Strich mehr arbeiten konnte. Die Kleider wurden ihm am Leib zerrisen. Als er sich beklagte fing Crabeys Weib an auf mich zu lügen, ich hätt sie geschlagen, eine Hur und Hex geheißen ... Crabey nahm ihm die Kuh. Er solle sie erst wieder erhalten, wenn er fünf Reichstaler für ein Paar Steifel zahlen würde.

Hans Diderich, der Bäcker vor dem Obertor beschwerte sich:
Der Reiter hat eine Hur in mein Haus bracht, des Morgens sie nackend durch die Stadt jagen lassen, wie er seine Schande genugsam in meinem Haus getrieben.

  

Mit einigen Zetteln wird Beschwerde geführt, daß Schweine, Ziegen, Schafe, Hühner und Gänse gestohlen wurden, auf anderen ist von Freßgelagen die Rede, zu denen die Burschen der Reiter mit Hammel, Ferkel wieder die Küche gefüllt und die Bürger kostenlos Wein und Bier beischaffen mußten. Geschirr wurde zerschlagen, da hab ich ihm 17 Teller aufgelegt, aber nur drei wiederbekommen; alle zerschlagen und die Löffel zerbrochen. Türen wurden eingerissen, Fenster auf die Gasse oder von der Gasse in die Zimmer gestoßen.

Melchior Kalpfleisch schreibt:
Gott sei es geklaget, was ich mit Weib und Kindern hab vor Herzeleid ausgestanden. Dan ich vielmal hab müssen weichen; dann es mein Nachbarn alle bekannt ist, wie es mir ergangen ist. Gott erbarm es.

1630
Das Jahr war besonders hart. Am 20. April kam Pappenheimsches Volk, am 27. April Lindlohische Salvaguart, am 7. Juni wieder Pappenheimische, am 9. August Isolanische Kroaten, am 14. August ein Regiment des Obersten Picolomini, am 17. August eine Compagnie des Leutnants Planitzen, am 26. August ist Georg Zinßer von der Mang so heftig durch ein Bein gestochen worden, daß man an seinem Leben gezweifelt, am 5. September hat man dem Regiment Fußvolk des Oberisten Wanyler Proviant, Brot, Wein und Bier schicken müssen und am 8. September haben 11 Compagnien Reiter unter anderem uff der Cent lauterbach zu Mahra, Wallenrod und darumb gelegen, hat das Volk übel gehauset. Den 9. September sind vorgedachte Compagnien uffgebrochen und fort marschiert, haben allewege sehr übel gehandelt, spoliert (gestohlen) und die Leute greulich geprügelt und um Geld gepreßt, den mehrsten auch das Vieh weggetrieben.

1631
In der Nacht des 3 Juli fielen Reiter in Lauterbach ein und plünderten die hier gerade einquartierte Pappenheimsche Kompanie aus, nahmen den Leutnant gefangen und ließen ihn bei Maar wieder laufen. Der aber sorgte anschließend mit seinen Soldaten wieder für ausreichenden Unterhalt in Frischborn und Rixfeld. Am 4. August war etlich Weimarisch Volk in Schlitz, drei Tage später sollten die Landenhäuser Kontributionen für die Pappenheimischen im Lauterbacher Rathaus hinterlegen, die Weimarer waren zu dieser Zeit auch in Salzschlirf, nahmen am 18. das Stift Fulda ein und plünderten Hünfeld. Am 21. September bezogen zwei Kaiserliche Kompagnien Kriegvolk mit 700 Mann in Lauterbach Quartier, am 23. folgten weitere 170 Mann und 50 Reiter nach Wallenrod.

Am 29. September, so berichtet das Ratsprotokoll, als man die Contribution zu colligieren (sammeln) angefangen, haben die Leut das Ihre getan. Interim aber die Soldaten den Leuten großes Leid zugefüget und mit Fressen und Saufen ganz inschaffen übel traktiert, gepraßt und genötigt. Danach ohnvermutlich in dieser Nacht zwischen 12 und 1 Uhr etlich 100 Mann hessisches Kriegsvolk zu Roß und Fuß allhier eingefallen und haben die exagierende Pappenheimischen überfallen. der Veltwebel ist ausgerissen und hinter des Amtmann Scheuer über die Mauer gefallen, alldaselbst er seinen Partisan (Gefährten) auf einem Baum hängend gefunden. Der Corporal ist noch ausgerissen ..... bei der neuen Mühl unter der Stadtmauer durch Wasserloch gekrochen und davon gelaufen. In diesem Scharmützel ist ein Kaiserlicher erschossen und zwo andere auch gar hart und fast tödlich geschossen worden. Die Pappenheimischen haben sich auf dem Kirchhof requirieret und sich daselbst weidlich gewehret. Die Hessischen sind nicht alle herein kommen, sondern, wie berichtet worden, über die Hälfte vor der Stadt plieben und nicht ansetzen wollen. Soll mehrenteils Ausschuß und gworben Volk gewesen sein. Die Reuter sind zwar zum Teil zum Unterthor hereingesetzt neben etlichem Fußvolk, haben aber doch nicht nachgeruckt und endlich nach einer Stunde sind alle wieder fortgezogen und haben die Stadt verlassen. Die Pappenheimischen aber, als sie dessen gewahr worden, haben die Thor wiederum eingenommen, verwahrt und die Posten besetzt. Bei Tagesanbruch haben die Pappenheimer sich zum Aufbruch präpariert und sind nach versprechen des Herrn Amtmann, die Contributionen auch ohne sie einzutreiben, und nachdem ein Geschrei kommen, daß sich etliche Truppen Reiter um die Rothebach gezeigt, ohne Trommel und Spiel still fortgezogen. Die Stadt hat die Last allein tragen müssen.

  

Nachdem Tillys Armee bei Leipzig geschlagen worden war, lagerte die ganze Tillysche, Pappenheimische und Fuggersche Armada auf ihrem Rückzug ins Frankenland in der Nähe Fuldas. Am 3. Oktober sind 40 Tillysche Reuter allhier eingefallen und haben die Burg, das Amtshaus und Bürgerhäuser in und vor der Stadt geplündert.

Am 5. Oktober haben Reiter dem Stadthirten Peter Schiebelhuth im Wald nahe Herbstein alles Vieh weggetrieben und am 9. Oktober mußte die Stadt 2000 Laib Brot zur Ernährung der Armada backen und nach Eisenbach liefern. Außerdem wurden ihr 200 Reichstaler Contribution auferlegt. Da dieses Geld am 25. November noch ausstand, wurden die zwei alten und die zwei neuen Bürgermeister mit Arrest belegt, doch am 28. wieder freigelassen.

Am 13. Dezember erhielt der hessische Rittmeister Jobst Treusch von Butlar mit 28 Pferden in Lauterbach Quartier, obwohl bereits fürstlich hessische, rheingräfliche und königlich-schwedische in der Stadt untergekommen waren. Am 16. Dezember verlangte der hessische Rittmeister von Ußlar mit einer ganzen Kompanie Reiter Nachtquartier. Man verweigerte es ihm zuerst, doch als er die Stadt stürmen wollte, öffnete man die Tore.

Je länger der Krieg dauerte, umso härter ging die Soldateska vor, umso höher wurden die auferlegten Abgaben; bereits 1630 waren Bürgerschaft und Rat nahezu bankrott und in den umliegenden Dörfern sah es nicht anders aus. Die Konrtibutionen wurden zu Beginn des Krieges der Stadt von den einfallenden Armeen direkt auferlegt, mit der französisch-schwedischen Auseinandersetzung wurde es jedoch üblich, daß die Riedesel als Schuldner für ihr Land hafteten und die geforderten Beträge dann umlegten. Die Bürgerschaft konnte ihre Steuen, Feuergift und Beed, nicht mehr zahlen, auch kein Pfenden mehr will helffen. So beschloß der Rat am 13. September 1633, daß, wer seine ausstehenden Abgaben nicht uff den Montag nach nach St. Mathiastag entrichte, das Bürgerrecht verlieren würde und ihme Waßer undt Weid undt alle bürgerliche Handtthierung niedergelegt undt verbotten werden. Wolle er wieder Bürger werden, so solle er sich uffs Newe alß ein Frembder und Auslendischer einkauffen. Hierüber gab es Streit, der damit endete, daß neben Feuergift und Beed eine weitere Steuer, die Militärsteuer, eingefürhrt wurde, die auch nach dem Krieg weiter zu zahlen war.

Obwohl man annehmen müßte, daß nichts aber auch gar nichts mehr aus der Bevölkerung herauszupressen war, die durchziehenden Truppen wurden immer wieder beherbergt, verköstigt, versorgt und bezahlt. Da das Steueraufkommen nicht ausreichte diese Ausgaben zu bestreiten, nahm die Stadt Darlehen auf; in einzelnen Jahren bis zu 5.000 Gulden. Andererseits fehlte Geld für die laufenden Ausgaben. So verfiel die Schule und der Organist Edlig z.B. erhielt drei Jahre lang keinen Sold. Dennoch besuchten die Lauterbacher weiterhin ihr Stadtwirtshaus - und ließen ihre Zeche anschreiben, was den Rat der Stadt im September 1633 dazu veranlaßte, die Bürger aufzufordern, zumindest einen Teil ihrer dortigen Schulden zu begleichen, da die Händler dem Wirt nicht länger borgen wollten. Aber auch die Wachen wurden verschärft, um Bettler und Mordbrenner, die Brunnen vergiften würden, fernzuhalten.

  

Von den Drangsalen der folgenden Jahre sollen hier noch einige beispielhaft aufgeführt werden, die die Belastungen des Krieges dokumentieren.

1633
Am 29. Januar schickten die Lauterbacher 100 Laib Brot und 2 Faß Bier zur Verpflegung der Kompanien des Obristen Plessen nach Freiensteinau, die nächsten beiden Tage nochmals 4 Faß, am 1. Februar 79 Brote und am 2. je ein weiteres Faß Wein und Bier.

Am 14. September des gleichen Jahres lagerten schwedische Völker zu Fuß und zu Roß in Angersbach und Landenhausen mit Hauptquartier in Maar. Noch in der Nacht wurden 355 1/4 Pfund Hammelfleisch, 324 Pfund Rindfleisch, 111 Laib Brot, Wein, Bier etc. nach Maar geliefert und am nächsten Tag nochmals 63 Brote. Gefordert hatten die Schweden insgesamt je 4000 Pfund Brot und Fleisch und 4000 Maß Bier.

1637
Am 9. Februar hatten neun sehr starke Kompanien Croaten und Hungarn Quartier mit Gewalt eingenommen. Und alle in der Stadt und uffm Werth gelegen, sind ausgeritten und das Land mählich verderbt. Ist ein elender erbärmlicher Zustand gewesen. Als ihnen avisiert worden, daß eine Niederhessische Partei uff ihn kommandiert wäre, haben sie sich nach Angersbach zurückgezogen, die Niederhessen aber am nächsten Tag in Wernges gestellt, bis Lingelbach verfolgt, 15 Gefangene bekommen und sind dann wieder nach Lauterbach zurückgekehrt. Von der Stadt verlangten sie 600 Reichstaler, erhielten aber nur die Hälfte: Haben die Bürger das Vieh nach Alsfeld getrieben und verkauft, damit das Geld gemacht werde.

Am 27. März hatte ein gallisches Regiment in Maar sein Hauptquartier aufgeschlagen. Die Tragoner wollten nicht eher aufbrechen bis Kontributionen gezahlt würden oder will das Vieh zusammentreiben lassen und sich selbst bezahlt machen. Als die Riedesel sich weigerten, zogen die Völker vor die Stadt und drohten mit Plünderung. Daraufhin wurden am 1. April 2000 Gulden gezahlt, je 1000 von der Stadt und vom Land.

Am 19. Juli nahmen 12 Regimenter rebellische Pollacken in Großenlüder ihr Hauptquartier, haben übel gehaust und alles verhert und verdorben, ist gar kein Disziplin bei ihnen gewesen, haben sich auch keinem Commando untergeben wollen, sondern getan, was sie selbst gewollt. Und nachdem das Geschrei ergangen, als ob der Marsch auf hiesiges Städtlein ginge, und das das Hauptquartier allhier sein sollte, ist die Bürgerschaft des mehrenteils ausgerissen, ins Oberfürstentumb geflohen und wenig Mannspersonen hier gewesen.

1640
Am 20. Februar wollten 50 kaiserliche Reiter in Eisenbach Vieh requirieren, was ihnen allerdings verwehrt wurde. Dabei erschoß man eines ihrer Pferde, das man wegen vieler Bedrohung hernach mit 300 Reichstalern hat bezahlen müssen. Einen Tag später wollten dieselben kaiserlichen Völker und etliche Fußgänger das Schloß plündern. Gegen Zahlung von 104 Reichstalern und šberlassung von 3 Pferden zogen sie ab.

Am 11. Juli kamen 400 schwedische Marodeure aus dem Fuldischen, wurden in Lauterbach abgewiesen und überfielen Wallenrod, plünderten es, trieben das Vieh fort und steckten den Ort in Brand.

Am 23. Dezember waren etliche Rohsische in Rudlos und Reuters eingefallen und das Rindvieh, 16 Ochsen, weggetrieben.

1643
Am 23. Mai nahm die Leibkompanie des Generalmajors Königßmarck, 200 Pferde stark, in Lauterbach Quartier, welche mit Fressen, Saufen und anderer Beschwerung also gehauset, welches wohl seit des ganzen Kriegswesens nicht also geschehen. Als sie am 27. Mai wieder abzogen, hatte die Stadt 1117 Gulden ausgegeben.

1648
Letzte Krieghandlung auf Riedeselschem Gebiet war der Durchzug der Schweden und Hessen unter Graf Königsmarck und Landgraf Friedrich am 24. Januar 1848. - Kontributionen mußten aber noch bis 1650 gezahlt werden.

  

Konnte man zu Beginn des Krieges von relativem Wohlstand reden, so war gegen dessen Ende alles so verwildert und verödet, daß Wölfe die ganze Gegend unsicher machten. Die Leute waren völlig verarmt, das Land verwüstet, Häuser, die noch standen, ihres Inhalts beraubt und notdürftig geflickt, die Bevölkerung um 2/3 dezimiert. Als sich schließlich ab Oktober des Jahres 1648 die Nachricht vom Frieden verbreitete, konnten es viele nicht glauben.


Gerade die Wolfsplage hatte in den letzten Kriegjahren stark zugenommen, so schlimm, das die letzen Bewohner des Ortes Schwarzenborn, dieweilen ihnen das Ungeziffer so groß Leid getan, ins benachbarte Wallenrod umgesiedelt sein sollen. Doch die Lauterbacher störte das anscheinend wenig und es interessierte sie nicht, wenn die Bestien auf dem Land die wenigen Tiere auf den Weiden oder das spärliche Wild im Wald noch weiter dezimierten, denn es gab über ihre Bekämpfung auch noch Streitigkeiten. Anfang November des Jahres 1843 hatte der Landknecht mit dem Läuten der Bürgerglocke die Lauterbacher uff die Wolfsjagt gepieten wollen. Doch die weigerten sich, denn Jagd war Herrenrecht. Was der Landknecht hier verlangte, waren offensichtlich Frondienste, und zu denen waren die Bürger nicht verpflichtet. Fünf Jahre später ließen sich 20 junge Männer zu einer Wolfshatz bei Rixfeld überreden; allerdings mit der Zusage, daß dies ein Notfall sei und daraus keine Regel würde. Das Aushandeln des Kompromisses muß viel Zeit in Anspruch genommen haben, denn als man ankam, waren die Wölfe verschwunden.

In einem Vogelsberger Gerichtsbuch
wird das Jahr 1656 als eine herrlich gute Friedenszeit beschrieben. Das Land habe sich, nachdem der dreißigjährige teutsche Krieg durch Gottes gnad gestillet... wiederumb erholet. Es hat auch der liebe Gott uns zu gut herrliche Fruchtjahr geben. Aber der Dank dafür sei gar schlecht gewesen. Die Menschen würden untereinander streiten, sie können nun bei dem edelen Frieden nicht ruhig sein. Sie müssen selbsten mit ihren Nachbarn Krieg anfangen.

Darumb hat der gerechte Gott eine solche Straf, davor die Nachkommen, sie hiervon nichts wissen, erschrecken werden, über uns gesandt. Dann gleichwie ... Gott der Herr Löwen unter die Einwohner Samariae kommen ließ, welche sie erwürgten, also hat er grimmige Wölf unter uns gesandt, welche uns viel unschuldig Kinder zerrissen und, wo sie ihnen nicht abgejaget worden, gar aufgefressen, wie Gunzenau, Bahnenrodt, das Ort der Rauchen Geisel, Hosenfeldt und andere Ort umb uns hierumb davon zu sagen wissen, und ist solches anno 1655 angangen und Guntzenaw, da ein fein Knäblein von einem Wolf aufgefressen, deaß man nicht das geringste von ihm gefunden, solche Straf das erste mal erfahren. In diesem 1656 Jahr hat er über Ober=Zahler Kinder, auch uns zu Stockhausen, Hensel Hindebranden zusehend angefallen, doch auf Zurufen wiederumb fallen lassen, und ist der Biß nicht gefährlich gewesen. In diesem 1656. Jahr Donnerstag den 21. Augusti hat zu Uffhausen ein böser Wolf einem Kind den Kopf abgerissen, mit sich getragen und den Rumpf liegen lassen.

Gott sei uns gnädig.

 

 

 

Krieg und Leid:

 

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