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Die Chronik des Lauterbacher Bürgermeisters Christoph Schwartz
Die Chronik des Lauterbacher Bürgermeisters Christoph Schwartz ist ein handgeschriebener in Leder gebundener Band von 220 Seiten in Quartformat. In sie hat der Lauterbacher Ratsherr Schwartz, ein um seine Vaterstadt hochverdienter Mann und der Stammvater einer jetzt weit verzweigten Familie vom Jahr 1651 an fast Tag für Tag alles eingetragen, was ihm wichtig erschien: Fanilienereignisse, Kauf und Verkauf, aber auch alle wichtigen Ereignisse seiner Vaterstadt, der Riedeselschen Lande, des deutschen Reiches, ferner alle wichtigen Naturereignisse usw. So sind uns seine Aufzeichnungen nicht nur wichtige geschichtliche Urkunden aus jener Zeit, sondern sie geben und auch ein Bild des damaligen Denkens und Fühlens. Alles was von allgemeinem Wert ist, soll in folgendem aus dieser Lauterbacher Chronik im Auszug mitgeteilt werden:
Einleitung:Dieses Handtbuch hab ich Christophorus Schwartz gemacht im jahr 1651 den 11. may, mihr und den meinigen zur nachricht, wann irgend einiger geschicht vergeßen und doch gern wißen wolte, hab ich mit Christophorus für genommen, dasselbige in dieses handtbuch zu schreiben, darin das forderst nachzuschlagen. Es werden sich oder (aber auch) finden geschicht(en) die die vorhergehende jahr geschehen, by welchen denn in den jar, da sie geschehen sind, die Jahreszahl stehen wirdt, und auch der Tag, worauf sie geschehen, darauf dann getrost zu gehen aus Ursach, weil ich es so genaw im Calender geschrieben, daraus es dann zu beweisen. Lauterbach den 11. May: Im nahmen des Herren.
Persönliches: Im jahr 1648 den 27. April hab ich mit meiner Margrethen weinkauf getrunken, sind dem weinkauf gewesen hundert und 71 personen, zu dies der Vatter gewesen Rahtsherr und schöpf Heinrich Schnell seines nahmens, ihre mutter merga des weyland hans Christen eheleibl. tochter (Weinkauf = Verlobungsfeier.)
Im jahr 1648 den 17 Augustus hab ich mit meiner margrethen hochzeitlichen Kirchgang gehalten, hatt uns copuliert der ehrwürdige hoch und wohlgelahrte Magister Christoph Schröder. Gott der stiefter der Eh der gebe Und verleih uns nach seiner barmherzigkeit seinen Göttl. Segen, ein friedliches Leben, Glücklichen wohlstand, Gesundheit und langes Leben.
Im jahr 1648 den 10. Oktober habe ich mich in die Bürgerschaft gekauft, mit einem Gulden zu drei Kopfstucken gezahlet. Ist Bürgermeister gewesen Johannes Zipf und Georg Diem. Im Jahr 1648 den 25. Oktober ist ein Freischieset hier gewesen, hat 3 Tag gewehret, ist das best gewesen 6 Gulden. Die hab ich erwonnen und ein pahr schuh. Andere beste (Preise) seindt dagewesen, welche andere mitschützen erwonnen.
Hochzeitsfest von Junker Johann Riedesel mit der Ermarschallen Georgs Tochter. In jahr 1653 den 18. november hatt Junker Johann Riedesel, in der burck seinen tanzt gehalten mit seiner vielgeliebten Catharina Riedeselin des Erbmarschall selig nemblich Juncker Georg hinterlassenen Ehleibliche tochter. Diese außritt det braut entgegen ist geschehen den 18. November. Umb zwo Uhr nachmittag 4 trompeter seint vorherrgeritten durch die statt. Als sie zur schenkgaßen zukommen, ist die burgerschaft mit ihren besten gewehr, Tromms (Trommeln) und fähnlein gliehtweiß verher marschiert. Als der hochzeiter vorm markborn vorüber ist, hab ich und Stoffell Wenzell und Carlen Schneider und Johs. Schwenig 4 Doppelhacken (Böller) über sie gelöset zur glückseligen ausfart. Die burgerschaft als vorher marschiert bis vor Jphs. Hälgansens behausung, alsdann stehen blieben, die adliche Ritterey nach dem Thor marschiert, die ganze burgerschaft salven gibt, und alsdann wieder im gliedt vor das Rathaus marschiert und da verbleibet bis die post (Nachricht) kompt, der Hochzeiter hab die Braut empfangen und Eylends auf die Statt zukäm, die burgerschaft wiederum im gliedt an das Eysenbacher Thor marschiert daselbst des Hochzeiters zu erwarten. Wie er alsbald auch kommen, seine 4 trompeter vorher geblasen, als er zum Thor hereinkommen, die ganz burgerschaft hinter ihnen wieder salven geben, und allda stehn blieben. Die Schöpfen und Rahtsherrn dieser statt vorm Rahthaus hergestanden mit ihren Mänteln (Ratsmantel, Zeichen der Würde) den hochzeiter zu ehren, bis er in seine Burgk kommen. Die Braut mit ihrer gesellschaft 1/2 Stund nach dem hochzeiter auf die Statt zukomt mit 5 trompetern und 6 Kutschen. Benebes ihr 3 brüder mit vieler Ritterey durch die Statt hinziehen die burgerschaft wiederumb hinter ihnen hergeben, die herren des Rahts noch vorm Rahthaus stehen, die braut in ihrer gesellschaft die statt hinabziehet. Als die letzt Kutsch vorm Marckborn her kommen, die ganz burgerschaft: 30 bawern von Mahr (Maar) allda vor dem burckthor auf einmahl salven geben und alsdann wir wiederumb 3 Doppelhaken auf dem gang uber die schenkgaß fewer geben nach der burgk. Und damit beschluß. Die nacht ungefähr um Eylff Uhr haben sie sich laßen coppulieren auf dem Sahl in herrlichem schuck durch unsern herrn Magister Christoph Schröder, im Beysein vieler adelicher Personen und andern gemeine leut. Wir musikanten haben vor und nach der coppulation musiziert, 9 trompeter haben allda zu hauf geblasen, unser Regel ein Harpfen und 4 geigen zu hauf gegangen, die schlierffer 3 pfeiffer den Reitterknechten augewart, die ganze nacht seint wir all herrlich traktiert worden,, die ander nach die hochzeitspredigt gehalten alle instrumente wiederumb herrlich geklungen und wir eine hübsche musik ... gesungen, die ganze nacht sehr wohl mit Eßen und trinken versehen worden. Gott der allmächtige Vatter im Himmel, der stiefter der Ehe wolle diesen beyden Eheleuten seinen göttlichen Seegen verleihen, glückliche Regierung und langes leben Amen.
Kirchen-Kollekte. Im Jahr 1653, den 30. may ist eine Collekte angestellet worden von unserm pfarrherrn Magister Christoph Schröder und der bawmeister als nemlich Franz Manneß und Wrner Pirsch, die Kirch dieser Statt zu verbeßern und new zu binden und zu weißen, haben die benambte bawmeister von Hauß zu Hauß gegangen, und gaben zu samlen, deren dann ziemlich gegeben worden sein, daß man davon dem weißbender 50 fl. hat gben können, da zuvor nichts über gewesen. Das Kirchendach gantz von newem zu beßern, welches das alles sehr viel gekostet, doch alles zugestewret ist worden. Die weiberbänk grein (grün) zu ferben, hat idwedem Weibsbild 3 alb. gekostet.
Den 10. Okt. 52 war ein Freischießen zu Herstein. Den 1. Preis, einen Farnochs gewann Matthias Möller von lauterbach.
Den 9. Dez 52 wird Christoph Schwarz zum Spital- (Siechenhaus-) meister ernannt.
Am 16. Juli 53 wird die alte Brücke vor der fleischschörn (die Fleischbretter vor der Metzgerei) abgebrochen und durch eine neue ersetzt.
Beisetzung der Freifrau Dorothea Elisabeth Riedeselin, geborene Klingelbach und ihres Söhnchens Hermann. Im Jahre 1653, den 20 Julius hatt man Junker Hermann Riedesels sein Ehelich gemahl und sein liebstes Söhnlein Hermann von Stockhausen hergeführt und begraben in unserer Kirche mitten in das Chor, das Söhnlein zu ihren Füßen gelegt und ter den ersten Tritt des hohen altars, Junker Hermann sein grab auch alßoballt machen laßen seinem gemahl zur rechten Seyten, welches es zugleich mit zu welben laßen. bericht wie's unterwegen ergangen also sie von Stockhausen abgeführt, hat man beide Leicht (Leichen) auf einen schwartz gefärbten Wagen gesetzt, und vier Pferd drangespannt, dieselbige mit schwarzem Tuch behenkt, 9 Kutscher mit gefahren, 4 Schöpfen der Kindes Krone getragen auf einem Spriegel einer Todenbahr. Unterwegs wir musicirt und Corall gesungen, die Burgerscgaft mit ihren Mänteln, den Stadtschöpfen und Herrn des Rahts nachgefolget bis hinaus vor den Wald, die Plahkappe genannt, sich alle in die Ordnung gestellt zu beiden Reihen, die Leicht samten Leidleuten durch sie hingefahren, und alzdann hinder den Edelleuten in paarweiß nachfolget, nach den Bürgern das Lantvolk. Die Pfarrherrn im ganzen Lant, welches sie Macht zu besetzen haben, alle vor der Leicht hergegangen bis zur Stadt herein, vorm Ampthaus abgesetzt durch die Schultheses im ganzen Lant, die Edelleut in das Amthaus gegangen, wir vor der Leicht musicirt, bis sie wieder aus dem Amthaus herauskommen, die Schultheses die Leuchter tragen müßen bis zur Kirchen hinain, die Edelleut, Pfarrherrn, Raht und Burgerschaft, daneben die Lantschöpfen in einer Prozession nachgefolget, der Pfarrer von Fischborn die Leichtpredigt getan, welcher auch Hofprediger aufm Stammhaus Eysenbach gewesen, zum Leichttext gehabt: Ich hab einen guten Kampf gekämpft usw., wie ferner das Sprüchlein lautet.
Brunnen auf der Stadtwiese: Im Jahr 1653 den 27. Oktober hab ich Vorsteher der Siechenarmen den Brunnen unter den Schutzmauren auf der Stattwiesen wider von neuem faßen laßen in 4 breiten platten, und auch eine breite platte, da er mit zugedeckt worden, hat ihn meister Jörg und Caspar beyde Steinmetzen und Burger gemacht. Ihnen davor geben müßen 4 fl. und auch ein fl. von den Steinen zu führen von Angersbach her, also kost der Brun zu faßen 5. fl.
Altargemälde: 1653 den 9. September ist die Tafel aufn Alter gestellt worden unter das Gegitter, daran die Profeten, auf der andern Seyden die Aposterln, mitteninn underschiedliche Sprüche mit übergültenen Buchstaben ober der schrift der Herr Christus am Kreuz, ist zu dem Ende aufgesetzt allen Christenherzen zur gottseligen Erinnerung zur Warnung zu hütten vor Sünden, zur Vermahnung, Besserung des Lebens zu Trost und Lehr des ewigen Lebens, darzu uns Gott alle miteinander verhelfe zu seiner Zeit Amen.
Volckmarsche Stiftung: Im Jahre 1652 haben die drey Gebrüder, nemplich Konradt, Johannes und Stam (Constantin) Volckmar ihre semptlichen Güter zu Herßfeld dem arem Siechenhaus allhier vermacht. Dieweilen aber die zwei ältesten Gebruder kürzlich nacheinander verstorben, so hat doch Stamm Volckmar die ernannten Güter würklich eingeräumet, daß sie nunmehr in der Burger Hand stehn. Und haben wir Vorsteher, benebes der Herr Burgermeister die ernannten Güter zum ersten Mal hingeliehen, nemlich Hans Braun, Fuhrmann zu Herßfelt und vor 44 fl. hab ich die erste Zins der Gütter ingenommen und in meinem Sichenregister verrechnet. Damit man aber den Gebrüdern wiederumb eine Recombes erwiese gegen diese sehr große Gutthat hat der Rath dieser Stadt für gut angesehen, daß man ein Grabstein machen ließe und ihn aufs Grab setzen nach Alßfeld daselbst sie begraben liegen und in ihrem Hospital gestorben, Stam aber noch zur Zeit beim Leben zu Alsfelt im Spital. Der Stein ist gemacht worden zu Fulta dermalen allhier fein hübsch gemahlet mit vergülten Buchstaben. Und das nach Alßfelt geführt und aufgesetzt worden. Ausgab des Steins wie auch andere Außgaben der Volckmarschen Güter 38 fl. 6 Alb. 4 Pfg.
Lateinschule. Im Jahre 1654 den 10. Aprilis hab ich Namen Gottes meinen lieben Sohn Joh. Friedrich Schwartz zum ersten Mal in die Schul geführt, ist eben Rector gewesen Joh. Beckmann von Osnabrück, cantor Baltasar Birck ausm Schwabenlandt, Organist Hermann Edling allhier.
Tod des Kaisers Ferdinand, Erdbeben. 1657 den 16. Julius ist unser Kirchen angezeigt worden, daß der römische Könis Ferdinant, welcher auf dem Reichstag in Regenspurk ist gekrönt und erwählt worden, sei mit Tod abgegangen. Und wie auch die Avisen lauten, zu Wühn (Wien) in Oestreich in seinem Absterben ein erschrecklich Erdtbeben gewesen, wie auch in Böhmen ein so hartes Wetter, darinnen er Schloßen geworfen, daß eine ein Centner gewogen etc. Doch dergestalt ist es allhier in der Kirchen angezeigt worden durch oberkeitlichen Befehl, daß man den löblichen Abgang des Königs betrauern und hiermit bezeugen soll, so soll die Orgell in der Kirchen wie auch alle Instrumenten 4 Monate lang nicht gerührt werden wie auch andere weltliche derzeit enthalten.
Beschreibung der Sonnen- und Mondfinsternis so gewesen ist im Jahre 1654, den 2. Augusti an der Sonne entstanden, den Morgen, wie die Uhr geschlagen 8 und gewähret bis ein Viertel nach Eilfe, welches ich selbst ei mit observiert habe und eigentlich (selbst) gesehen. Diese Finsternis beschrieben die Astronomini , daß an etlichen Orten es so finster sein wird, und sonderlich zu Constantinopel, daß man daselbst Lichter brauchen müße, so man währendder Finsternis sehen wolle, heir aber gar trüb Wetter gewesen, daß man die Sonn mehrlich nicht dadurch hat merken können. So virl als ich oder (aber) selbsten gesehen habe, ist die Sonn ungefehr das Vierte theil hell geblieben, und das ander schwarz, und aber abgenommen, bis um Virtel nach Eilfe die Sonn wieder gantz hell geworden. Ein ander Finsternis ist gewesen am Mond des Nachts um Eilf Uhr den 17. Augusti, welches auch erschwerlich ist anzusehen gewesen.
Ein Wolf raubt in Gunzenau ein Kind. Den 2. Oktober 1654 ist ein erschreckliches Unglück in Gunßnau vorgegangen, als nemblich ein grimmiger Wolff aus dem Wald gelaufen kommpt in das Dorff und erwischt ein Kind von 5 Jahr, welches Merz Glasen Söhnlein gewest, und laufft mit davon. Die Leut im Dorff eben des Morgens in der Kirchen gewesen. Merz Karles Sohn solches inne wird springt flugs auf ein Pferd und reit dem Wolff nach, aber er kann ihn nicht verfolgen bis auf den 3. Tag die Nachbarn fleißig gesucht und finden sein Hembd im Wald und ein wenig Haar vom haupt und sonst nichts mehr. Am 2. November geschah ein gleiches in Bannerod, wo ein Wolff ein siebenjährig Mägdlein raubte, und bei der Verfolgung wieder fallen ließ, es aber so zugerichtet daß es noch dieselbe Nacht starb.
Krönung Kaiser Leopolds in Frankfurt 1658, den 8. Julius alten Kalenders ist er gewählt, den 22. Julius von den Kurfürsten in Frankfurt gekrönt worden. Seint viele Burger hier aus Lauterbach den Tag der Krönung dagewesen und zugesehen.
Bußtag am Bartholomäustag 1666 zur Abwehrung der umb uns herum graßierenden Pestseuche.
Einführung des Inspektors und Hauptpfarrers Lic. Johann Kaspar Rinck, gewesen Superintendent und Hofpredigers bei dem Grafen Erbach, ist den 13. November 1668 allhier ankommen, hat den 22. November seine erste Predigt gethan (Text 1 Cor. 2. Ich hielt mich nicht dafür etc.) die Auslegung mit großem Verstande gethan, hernach vorm Altar beim Schöpfenstuhl vorgestellt und bestätigt worden von dem Herrn Pfarrer zu Fischborn, Herrn Hieronymus Oesius, welcher den Sermon gethan im beysein der Herrn Pfarrer von Stockhausen, von Engelrod und zu Landenhausen, wie auch unseres Herrn Caplans, Joh. Sigmunt Copurger, der Herrn Amptmann Johannes Fischer im Namen der sämtl. Herrn Riedesel, bestättigt zu unserem Inspector und Hauptpfarrer allhier, hernach alle Glück gewünschet, der ganze Schöpfen und Rathstuhl allhier und der Senior-Rath, auch Nachmittag ein herrlich Mahl ufgerichtet uffm Rathhaus, welches wohl die Statt wird gut machen.
Den 26 Februar 1669 ist Christoph Schwarz zum Kirchensenior gewählt worden, deren Zahl damals 11 betrug, daunter je einer aus Heblos und Rimlos.
Beerdigung des Fürstabst zu Fulda. 1671, den 5. Januar ist der Fürst zu Fulda gestorben namens Joachimus (von Graveneck), auf Pauls-Bekehrung unseres Kalenders, des morgens um 9 Uhr ist er begraben worden, ich dazu mal auch zu Fulda gewesen und die Prozeßion sobalten mit angesehen, als ist sie also gehalten worden: Da man mit allen Glocken geläutet, 700 Mann vom Stift bis an das Schloß im Gewehr gestanden, die ganze Straße mit Sand bestreut gewesen, im Hof die Schüler vorhergegangen ohne Gesang, die Jesuitter hernach, danach der Franziskanerorden, dann die Bürgerschaft, alsdann haben die Beamten 25 Kerzen brennend vor den Musikanten hergetragen, welche vor der Leicht aus dem Schloß her musiziert bis in das Stift. Es ist eine schwarze Fahn vor der Leicht hergetragen worden, vor der Fahn 4 Trompeter, nach der Fahn 2 Her Pauken, welche bisweilen gerührt worden, 16 Edelmann die Leicht getragen, die Leicht mit schönen Wappen geziert, dazu mit Totenköpfen, davor 16 doppelt brennende Fackeln getragen worden mit gemalten Totenköpfen. Nach der Leicht ein Pferd gefürt worden mit schwarzem Tuch behenkt, hernach des Fürsten Vetter, ein Freiherr, verhüllt gegangen, danach Junker Hans Volprecht zu Schlitz, Junker Sittig, Herr Obervorsteher J. Lips von Schlitz, Junker Johann von Altenberg, Junker Gramm von Schlitz, danach ein Weihbischof in seinem stattlichen Meßgewand und hohen Bischofshut, ein Buch in der Hand getragen, alsdann der neue Fürst, der Markgraf (von Baden) gefolget 2 Freiherrn neben sich gehabt, ein Edelmann den Mantel hinten nachgetragen, zwei Heitducken ohne Mantel gefolt, mit ihren Saubels und Spitzhalmen, hernach gefolgt die Herrn Probst und dann gar viel Edelleut, nämlich die ganze Ritterschaft, widerum viel Jesuiter im weißen Habit und dann gar viel Pfaffen, welche alle in der Prozeßion bis in das Stift gefolgt, und auch viel Frauenzimmer, welche ihren Marschalk vorher gehen gehabt. In dem Stift sind die Bänke mit schwarzem Tuch beschlagen gewesen, das silberne Rad auf die Häfte herabgelaßen gewesen, und ein neues Gebäude unter dem Rad aufgerichtet gewesen mit 4 Posten, dazwischen ganz offen die Leicht man darin gesetzt, oben mit Trageln um und um gemacht gewesen, in der Mit oben ein rund Türmchen, darauf das Bild des Todes gestanden mit seiner Sensen, unter dem Tod um und um 150 Lichter gestanden, alle brennend, unten neben der Leicht 27 brennende Wachskerzen, soviel Jahr als er fürstlich regiert gehabt, dazwischen 6 Lichter auf silbernen Leuchtern gestanden, ein Franziskaner die Predigt getan, hernach vor jedem Altar Meß gehalten worden, unter die Orgel musiziert worden mit Geigen, einer Trompeten und einem Dulcion, hernach ist die Leicht eingesetzt worden, alsobald vermauert, die Prozeßion wieder nach dem Schloß geschehen, Dr Ludwig die Danksagung getan, den verstorbenen Fürst sehr vielfältig gerühmt wegen seiner Frömmigkeit, das Dritthundert Menschen sollen gespeist worden in dem Schloß.
1673 wurde Christoph Schwarz von den Schöffen im Rat zu einem Bürgermeister gewählt, 1677 zu einem Bürgermeister im Schöffenstuhl (1. Bürgermeister) und 1689 und 1692 als solcher wiederum gewahlt. Er fügt bei: Der leibe Gott wolle mich mit seinem heiligen Geist regieren, mir geben Weisheit und Verstand, vorsichtig zu regieren, dem gemeinen Nutzen zum Besten!
Erweiterung der Burg. 1679 hat der Herr Oberst Johann Riedesel angefangen die Burg zu erweitern und in das Mauerwerk, auch die Gärten, die er zuvor erkauft, zu bringen, die Scheuern und Ställe, die zuvor in der Burg stunden, darumb zu setzen, und hat den neuen Keller auch erbaut.
Komet. 1680, den 17. Dezember, ist ein schrecklicher Kometstern gesehen worden abends um 5 Uhr, auf vier Wochen lang bis in das 81. Jahr, ist eben kein großer Stern gewesen, aber er hat grausame Strahlen gehabt, welcher von den Gelehrten ist auf den dritten Teil des Himmels erkannt worden, und soll dergleichen dieweil die Welt gestanden hätte, nie gesehen sein worden.
Taufe einer Türkin. 1691 den 18. November des Abends bei Licht ward ein Türkin getauft allhier in unserer Stadtkirchen, welche gefangen worden, wie Wien in Oestreich entsetzt worden von türkischer Belagerung, mit solcher Ceremonien: Erstlich ward Betstunde gehalten, hernach misiciert und unter der Musik tratt die Türkin vor den Taufstein, und alle hohen Gevatter von hoch freiherrlichen Gnaden, welche sehr viel waren. Nach Ausgang der Musik tat der Herr Inspector eine reifliche Erklärung vom hl.-Geist aus dem 3. Kap. St Johannis (Christus und Nikodemus). Darauf wurde sie gefragt, ob sie den christlichen Glauben annehmen wolle, sie geantwortet "Ja" darauf fragt der Herr Pfarrer Fauerbach sie den ganzen Ketechismus, welchen sie allein perfekt gebetet und das Glaubensbekenntnis auf alle Fragen kräftig beantwortet, daß sich jedermann verwundert gehabt. Nach diesem einen demütigen Fußfall auf ihre Kniee getan zu unsrem lieben Heiland und seligmacher Jesu Christo und um Vergebung aller ihrer Sünden gebeten und daß sie zu einem Kinde Gottes aufgenommen werde, alsdann wieder aufgestanden und vom Herrn Inspector nochmals gefragt, ob sie von Herzen begehrt auf Jesum Christum getauft zu werden, geantwortet "Ja", darauf die hohen Gevattern ihr den christlichen Namen gegeben: Johanna Sidonia Louysen, worauf sie getauft im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Und ferner dem leiben Gott gedankt, darauf wieder musiciert, gebetet und der Segen gesprochen(Nach dem Kirchenbuch bei Belgrad gefangen und von Obrist Görz mitgebracht, hieß vorher Eysch).
Bau des ersten Pfarrhauses (Inspectur) 1692 den Herbst ließ unser Herr Inspector das neue Haus zwischen Hermann Krezer und Hermann Heilgans aufrichten, zuvor ein altes auf dem Platz gestanden, Stoffel Hachenberger gewesen. Der liebe Gott wolle solches vor Feuer und allem Unglück behüten und bewahren und darin allen, die es bewohnen Glück und Segen geben.
Halsgericht in Ludwigseck. 1697 den 29. August ward ein peinlich Halsgericht zu Irschrot bei der Ludwigseck gehalten über einen Juden welcher vielfältig gestohlen. Weil er aber durch 100 Reichsthaler Caution uf freien Fuß gestellt, hat er sich vorher aus dem Staub gemacht und davon gelaufen, ist das Gericht doch vollzogen worden, als haben wir wegen unserer gnädigen Herrschaft wegen unserer Pflichten, damit wir dem Blutgericht zugeschworen, hin reisssen müßen, nämblich ich Christof Schwarz allhier aus Lauterbach und Johannes Möller von Angersbach wie auch Michael Eiffert von Almroth auch der Stadtschreiber Friedr. Phil. Bender, als Fiscal von hier aus Lauterbach, zu Irschrot noch 3 Schöpfen aus dem Amt beigesetzt, das Gericht nach 12 Uhr gehalten vor dem Kirchhof über einer steinernen Tafel bei der Ling (Linde) in Präsenz Herrn Erbmarschall, Herrn Oberamtmann Riedesel und andern von Adel, wie auch von der ganzen Gemein, 4 Wochen dem Juden noch Zeit gesetzt zu erscheinen, wo nicht, sollt alsdann doch geschehen, was Recht mit sich bringen wird.
1704 den 2. Juni wird Georg Schwarzen Enkel, Joh. Hrch. Schwarz als Rektor zu Lauterbach eingeführt
1704 den 27. Juli war Dankfest im ganzen Riedeselschen Land wegen des Sieges der Kaiserlichen Englischen und Reichsvölker über die Französen bei Donauwört. (Spanischer Erbfolgekrieg)
Halsgericht zu Lauterbach. 1704 den 7. Oktober wurde Halsgericht gehalten allhier im gülten Esel über 3 Personen von Rodenburg, welche gestohlen hatten, nämblich Conrad Frankfurt, seine Frau und Tochter wurden alle drei nach erkannten Rechten mit Daumenschrauben und Beinschrauben hart gemartert, der Conrad noch dazu gefoltert aufs Eisenbett, aber gar wenig bekannt, ist aberrmalen verschickt worden, ferner erkannt, daß dieses Diebsvolk den 16. Januar abermals peinlich solle vorgenommen, und wo man nichts weiteres von ihnen bringen könnte, soll der Mann und Frau eine Stund an Pranger gestellt und dann miteinander zur Stadt hinaus mit Ruten gehauen, dem Mann ein Galgen auf die Stirn gebrennt, welches alles vollbracht worden uffm Markt, vorm Rathaus, von dannen ewig des Landes verwiesen.
1705 den Sommer über ward das Rat- und Wirtshaus renoviert, und das Stüblein über der Schenkgaßen erbaut. Dazumalen wurden auch die zwo steinerne Treppen gemacht beim Neuen Haus und hinter der Schul nach der Obergaße.
Tod des Christoph Schwarz. (Eintrag seines Sohnes.) Anno 1706 den 22. Januar hat mein lieber Vater Christoph Schwarz das Zeitliche gesegnet den Tag zwischen 12 und 1 Uhr, hat das löbliche Alter erreichet 80 Jahr 9 Monat 10 Tag. Der liebe Gott gebe dem lieben Vater eine fröhliche Auferstehung. Mein Vater wurde begraben den 25. Januar und die Predigt von Herrn Inspector Fenner in der Stadtkirch gehalten über Sirach 25,6.
In der Wendelskirch hielt Herr Pfarrer Schnuff die Parentation über das Wort aus dem hohen Lied Salomonis Cap. 1 Vers 5. Ich bin schwarz aber gar lieblich. Leichtext Psalm 71, 9.
Der Grabstein, den 3. August 1706 gesetzt trug folgende Aufschrift:
Auf der rechten Seite: Leichentext Ps. 71 Vers 9. Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlaß mich nicht, wenn ich schwach werde. Christoph Schwartz ist geboren 1625 von Heinrich und Maria Schwartz, hat sich verheyrathet mit Margarethe Schnellin 1648. Erwehlet zum Kirchensenior 1669, zum Schöffen 1673, zum Hozpitalverwalter 1685. Freudig gestorben 1706 den 22. Januarii seines Alters 81 Jahr. Hatte in seiner 57-jährigen Ehe 6 Kinder: Friedrich, Georg, Anna, Maria, A. Margarethe, A. Elisabeth, erlebt 39 Enkel 14 Urenkel.
Auf der linken Seite: Siste Viator (Stehe still, Wanderer.) Hier heißt dich stelle stehn Verbietet fort zu gehn Herr Schwartz, der durch viele Jahr Mit Ehren graue Haar Trug, führt dich Wandersmann Zum guten Wandel an Mit gleichsam dieser Red: Wer diesen Weg nur tret, Bedenk, wie er zur Ruh Mög gehn zum Vater zu Ich hab die Reis vollbracht Die Freud mich nun anlacht, Wer wandelt würdiglich Dem schenkt der Himmel sich. Ps. 42 2, 3.
Quelle: Hermann Knodt in Geschichtsblätter für den Kreis Lauterbach, 1911, Nr. 1/2 ff.
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