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Sühnekreuze sind Zeugnisse des Rechtsverständnisses vergangener Zeiten, wobei das Rechtsempfinden früher ein anderes war als heute.

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Sühnekreuze - Zeichen alten Rechts

Ein steinernes Kreuz unter einer alten Linde, ein anderes am Straßenrand, eines mitten im Wald oder mitten im Dorf auf einer Mauer - was bedeuten diese Kreuze, von wem wurden sie aufgestellt? Fast alle Kreuze tragen Namen - um viele von ihnen ranken sich Legenden und Sagen. Doch geben diese Sagen wirklich Auskunft über den Anlass ihrer Aufstellung? Meist wahrscheinlich nicht, vielleicht aber Anhaltspunkte.

  

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Bild: Die alte Linde am Reiterkreuz bei Reibertenrod.

  

Sühnekreuze sind Zeugnisse des Rechtsverständnisses vergangener Zeiten. Das Rechtsempfinden war früher ein anderes als heute. Diebstahl oder Münzfälschung hatten unweigerlich ein Todesurteil zur Folge, während menschliches Leben nicht so viel galt. So kam es oft sogar bei Mord - vorbei an den offiziellen Rechtsnormen - zu Sühnevergleichen, besonders, wenn der Täter vermögend war, einflussreiche Freunde oder selbst Einfluss besaß, und die Familie des Getöteten zustimmte. Die Sühne bestand oft aus materiellem Ausgleich, meist Geld, mehreren Sühnewallfahrten und auch im Setzen von Sühnekreuzen.

Von einer Rechtsprechung im allgemeinen oder einer allgemeinen Gerichtsbarkeit kann man im Mittelalter nur schwer reden. Eine Fülle von Landes- und Ortsrechten hinderte daran. Ursprünglich lebte Recht in der mündlichen Überlieferung. Juristen mit einem abgeschlossenen Studium gab es kaum. Erst seit der Mitte des 12. Jahrhunderts begann man, Gesetze und Verordnungen aufzuzeichnen. Die Städte wurden dabei führend, aber es entwickelte sich allmählich auch ein Landrecht und ein Reichsrecht. Hinzu kam, dass jeder der Fürsten, Vögte, Herren für sich soviel Recht wie möglich anstrebte und danach Recht zu sprechen verlangte, und je mehr er das konnte, um so mächtiger war er bei der bestehenden Reichszersplitterung. So kam es, dass das Recht der untersten Instanzen, um nicht zu sagen die Willkür, das Stadtrecht brach, Stadtrecht Landesrecht, Landesrecht Reichsrecht, und es dauerte Jahrhunderte, bis dieses Verhältnis umgekehrt wurde.

  

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Steinkreuz - Sühnekreuz - in Bad Salzschlirf.

  

Das bekannteste Rechtsbuch der frühen Zeit war wohl um 1200 der so genannte Sachsenspiegel. In ihm waren sowohl die Stellung von Papst und Kaiser, die Königswahl, als auch das Lehensrecht oder Rechte der Bürger und Bauern festgehalten. Das erste allgemeine Strafrecht mit Strafprozessordnung war die C.C.C., die von Kaiser Karl V. am 25. Juli 1532 erlassene Constitutio Criminalis Carolina. Sie wird auch als Halsgerichtsordnung bezeichnet, da sie in vielen Fällen Todesurteile vorsah, oder auch peinliche Gerichtsordnung, da die Richter oft körperlich schmerzliche Strafen verhängten und auch peinlich, durch Folter, befragten. Bei den Missetaten konnte man jedoch zwei Arten unterscheiden: Frevel führte zu einer Ehrenstrafe. Nach deren Verbüßung war alles vergeben und vergessen. Schimpf und Schande für eine kurze öffentliche Zeit (Pranger) dienten zur Buße. Für die eigentlichen Verbrechen waren dann die Strafen an „Hals und Hand“ üblich, aber man kannte auch „Hintertürchen“.

Auf diesen Grundlagen hat sich allmählich über Jahrhunderte das deutsche allgemeine Strafrecht entwickelt, aber es dauerte bis zum ausgehenden 17. Jahrhundert, bis das System der harten Leibes- und Lebensstrafen durch eine mildere Gerichtspraxis außer Kraft gesetzt wurde.

  

Vor diesem Hintergrund ist das Stellen von Sühnekreuzen zu sehen. Sie stammen aus den Jahren zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert. Der genaue Anlass und eine genaue Zeitbestimmung sind oft nicht nachzuvollziehen, da besonders im dreißigjährigen Krieg Urkunden vernichtet wurden und durch das Ableben der Altbevölkerung, durch Kriegswirren und Pest mündliche Zeugnisse nicht mehr weitergegeben werden konnten. Sagen und Märchen können zwar Hinweise geben, sind aber nicht verlässlich, zumal sich um verschiedene Kreuze oft die gleiche oder um ein Kreuz mehrere Sagen ranken.

Das Reiterkreuz nahe Reibertenrod

  

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Das Reiterkreuz nahe Reibertenrod.

  

Zwischen den Alsfelder Stadtteilen Reibertenrod und Leusel steht mitten im Feld unter einer mächtigen Linde das "Reiterkreuz". Ein Arm des Kreuzes ist angeschlagen.
Das Kreuz stand ehemals am Reiterweg, dem "Hessischen Rennsteig" (Rainsteig), der hier in nord-östlicher Richtung vorbeizieht. Im Jahr 1934 wurde das damals zerschlagene Kreuz am heutigen Standort neu aufgestellt und mit Krampen befestigt. - Ein Reiter soll an dem Ort zu Tode gekommen sein.

 

 

 

Sühnekreuze:

 

Einleitung

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Kreylingskreuz

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Schusterkreuz

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Ruppertsburg

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