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Epitaphe in der Stadtkirche Lauterbach Die Bildhauerfamilie Herber
Der Name Herber steht für eine Dynastie von Baumeistern und Bildhauern aus Kassel. Der bedeutendste von ihnen war der im Jahr 1530 geborene Andreas Herber, ein Urenkel des Baumeisters Johann Herber, welcher den neuen Flügel des Landgrafenschlosses in Kassel erbaute. Von Andreas Herber stammen u. a. Kunstwerke in den Kirchen von Bischhausen, Büdingen, Ersrode, Frischborn, Kirchberg, Lauterbach, Netze und Schlitz.

Künstlermonogramm AB = Andreas Bildhauer auf einem Giebelteil.
Er kennzeichnete seine Werke mit dem Künstlermonogramm AB = Andreas Bildhauer. Andreas war dreimal verheiratet und hatte aus erster Ehe 11 Kinder; die beiden anderen Ehen blieben kinderlos. Er starb im Alter von 84 Jahren im Jahr 1614. Von seinen Söhnen waren Antonius und Jorge, von seinen Enkeln Peter und Hans George und ebenso sein Urenkel Johann Rudolf "Fürstliche Bildhauer".
Seine Tätigkeit in Lauterbach ist nur durch einen Vertrag aus dem Jahre 1580 schriftlich abgesichert. Damit stammt das damals neu anzufertigende Denkmal für Hermann VIII. Riedesel eindeutig aus seiner Hand. Durch stilistische Vergleiche mit anderen seiner Werke gilt es als sicher, dass auch die Denkmale für Volprecht I., Hans Volprecht, Hermann VII. und Konrad II. von ihm bzw. aus seiner Werkstatt stammen: Schlanke gestreckte Figuren mit spätgotischen Einflüssen, die leicht schwebend wirken, sparsam modellierte Gesichter, Liebe zum Detail.
Erste noch grob gestaltete Werke von Andreas Herber sind aus dem Jahr 1571 bekannt. Das älteste seiner Lauterbacher Denkmale ist das für Volprecht I. und seine Gemahlin Apollonia Waldbott von Bassenheim. Obwohl Volprecht I. bereits im Jahr 1563 verstorben war, dürfte sein Grabmal erst in den siebziger Jahren entstanden sein, als Herber sich in seiner Kunstfertigkeit schon weiterentwickelt hatte. Die beiden knienden Gestalten sind gut in die Rundbogennische komponiert, die Gesichter fein porträtiert, Bordüren und auch die kleinen Gestalten der Kinder gut herausgearbeitet.
Es mag in diesem Zusammenhang Zufall sein, dass Volprecht II. am 13. August 1570 Beate von Berlepsch heiratete. Durch sie aber, die aus der Kasseler Gegend stammte, könnten die Riedesel auf Herber aufmerksam geworden sein. Jedenfalls hat dieser in etwa zeitgleich mit dem ersten Lauterbacher Denkmal ein solches in Frischborn für die früh verstorbene Tochter des Ehepaares geschaffen.
Herber unterhielt einen größeren Werkstattbetrieb. So ist es nicht verwunderlich, dass bei seinen Arbeiten Qualitätsunterschiede auffallen. Das Denkmal für Konrad II. und seine beiden Frauen ist ihm zwar von der Komposition her zuzuordnen, wegen der gröberen Ausführung aber dürfte es Gesellenarbeit gewesen sein.
Auf den ersten Blick scheint es, dass Herber noch weitere vier der Lauterbacher Epitaphe geschaffen hat. Bei genauerer Betrachtung sind jedoch Unterschiede zu erkennen. Einmal handelt es sich hier um die älteren Denkmale für Hermann VI. und Johann VII. Obwohl in der Komposition denen Herbers ähnlich, übertreffen sie dessen Arbeiten in der Feinheit und Genauigkeit der Arbeit. Sie gehören zu den schönsten in der Kirche und werden einem bisher unbekannten fränkischen Bildhauer zugeschrieben.
Auch die Alabaster-Denkmale Johanns VIII. und Volprechts II. sind intensiver durchgearbeitet, wobei das Schwebende in der Figurendarstellung Andreas Herbers gegen wesentlich mehr Standfestigkeit ausgetauscht ist. Fachleute erkennen darin das beginnende Barockzeitalter und Arbeiten von Antonius Herber, dem Sohn des Andreas. Johann VIII. und Volprecht II. hatten ja einst den Werkvertrag des Jahres 1580 abgeschlossen; sie starben dreißig Jahre später, vier Jahre vor Andreas Herber. Die Denkmale sind demnach im frühen 17. Jahrhundert entstanden.
Übrigens: Antonius Herber wird bereits im Werkvertrag als "shon Thonges" genannt, der am 9. Oktober 1580 eine Abschlagszahlung "geholt".
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